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ALBUM FORECAST 2019


Was wird uns dieses Jahr an interessanten Neuerscheinungen bringen?
Schon  wieder ist ein Jahr ins Land gezogen. Die Zeit verrinnt wie in einer Sanduhr mit zu großer Öffnung und ganz feinem, weißem Sand aus Sansibar. Ein Jahr mit viel guter Musik, feinen Neuerscheinungen, einiger grandioser Konzerte, einer Menge schönen (auch Musik-) Erlebnissen. Und vor lauter Freude darüber und aufgrund wohlverdienter und herrlicher Entspannungsphasen sowie Arbeiten an meinen verschiedenen, sehr spannenden Projekten und Auftritten, hab ich dieses Jahr sogar auf den Jahres-Rückblick verzichtet, der im alljährlichen Weihnachtstrubel und Neujahrsturbulenzen vermutlich ohnehin untergegangen wäre. Und es gibt ja so viel Gutes, so viel Verschiedenes und die Geschmäcker sind so vielfältig wie verschieden.
Also schauen wir nicht zurück sondern nach vorne. Gerade wurde mir die neue Platte meines lieben Neo-Radio-Kollegen Hannes Zellhofer alias Distance Project ans Herz gelegt. Vorwiegend elektronische Musik mit wenig bis kaum Gesang, die aber viel hergibt und mir wirklich gut gefällt. Sehr spannend, da ich in diesem Fach sonst ja eher nicht so zu Hause bin. Kann ich sehr ruhigen Gewissens nur weiter empfehlen. Sehr heller, klarer Sound, atmosphärisch und euphorisch wie optimistisch und doch mit etwas Sehnsucht und Melancholie versetzt. Sehr kräftig und berührend. Weit mehr als nur Elektronische Dance Music. Respekt und danke für diesen interessanten Ausflug in eine andere Welt und trotzdem den gleichen guten Empfindungen für Musik, Melodien und Klänge.
Was neue Platten betrifft bin ich überhaupt ganz schön im Rückstand. Die neue Mumford & Sons muss ich mir schleunigst besorgen. Mag herausfinden, ob es stimmt, was ich darüber unlängst in einem internationalen Musikmagazin gelesen habe, dass sie sich anscheinend immer mehr an den pathetischen Stadionrock á la U2 und Coldplay annähern. Apropos Coldplay. Auch deren Live Platte zum Band Jubiläum möchte ich haben, nachdem mich der sehenswerte Konzertfilm daran erinnert hat, was für eine großartige Band mit großartigen Songs das war und eigentlich trotz allem (Stichwort Kommerz) noch immer ist.
Spannend auch neues Material von Art Brut, diese lustige Band, mit der ich lustige Erinnerungen an das erste Live Erlebnis mit ihnen beim Rock in Park Festival in Nürnberg vor vielen, vielen Jahren verbinde. Originelle Band. Auch eine der Hoffnungen im britischen Pop The 1975 mit ihrem aktuellen Werk, das für etwas Erfrischung sorgen könnte, genauso wie die verträumten Decemberists. Oder die guten alten, anscheinend nicht unterzukriegenden, aber längst nicht mehr an alte große Stärke anschließenden Smashing Pumpkins. Interessant auch was dem nicht unbedeutenden Nebenprojekt von Blur- und Gorillaz-Mastermind Damon Albarn, The Good, The Bad & The Queen Neues eingefallen ist.
Eine Menge nachzuholen. Da bin ich mal für eine Weile beschäftigt.
Und dazu fällt mir auch noch die Aufstellung der vorausgesagten Platten für 2019 in die Hände, die naturgemäß meine Aufmerksamkeit und große Neugier weckt. Kleiner, persönlicher Auszug und Stimmungslage davon:
Morrissey
Ich traue meinen Augen nicht. Der Großmeister und mein ewiger Hero ist und bleibt unberechenbar. Mal hört man lange nichts von ihm, dann wieder nur von seinen (nicht zu gewinnenden) Kämpfen mit „Gott und der (unverbesserlichen schrecklichen) Welt“ rund um ihn oder seinen bedauernswerten schweren gesundheitlichen Problemen. Und jetzt scheint doch schon wieder ein neues Werk in der Pipeline zu stecken. Gar nicht mal so lange nach seinem letzten Album „Low in High School“, das freilich nicht mehr an alte Klasse heranreichen, aber doch gefallen konnte. Zumindest Hardcore Fans wie „meiner einer“. „California Son“, so der Titel. Etwa eine Reminiszenz an seine ehemalige Wahlheimat nach Flucht vor den (allzu großen) Anfeindungen in Englands Presse bzw. an seine große lateinamerikanische Anhängerschaft?  Man darf wieder gespannt sein. Ich bin es jedes Mal aufs Neue und kann bzw. will auch nicht eine gewisse Freude verbergen.
The Cure
Die nächste ebenso nicht unbedingt erwartete Vorfreude. Im Jahr nach ihrem viel beachteten 40-Jahre Jubiläum, soll nicht nur eine große Festivaltour, die auch zum Glück nach Österreich führt, sondern wieder einmal ein neues Album folgen. Werde wohl nicht der Einzige sein, der hier auf neue melancholische Streicheleinheiten für die Seele hofft. Was dabei dann tatsächlich rauskommt, ist bei den so vielseitigen The Cure und ihrem kreativen Mastermind Robert Smith, immer schwer abzuschätzen. Und das letzte wirklich großartige Album hat doch schon viele Jahre am Buckel.
Maximo Park
„As long as we keep on moving“ ist der bezeichnende Titel und Absage an alle Totengräber. Habe diese Band immer sehr geschätzt, die uns so oft mit zünftigen und klugen Pop begeistert hat. Die zunehmenden Solo Projekte und Abstände zwischen Veröffentlichungen, schien das übliche Zeichen, dass sich die Band allmählich in Auflösung zu begreifen scheint. Vielleicht werden wir aber doch eines Besseren belehrt und mit frischer, guter Musik überrascht. Es wäre ihnen und auch uns zu wünschen.
Bloc Party
Was bei diesen ehemaligen Helden eher unwahrscheinlich erscheint. Sänger Kele Okereke befindet sich schon längere Zeit im Solo- und Kollaborationsmodus. Zudem sind bereits zwei wichtige Mitglieder und Baumeister dieser ehemals großartigen Band abhanden gekommen. Jetzt wird zwar nicht wie auch mittlerweile üblich mit dem viel beachteten Debut- Album eine ganze Tour gestartet, aber dieses zumindest als Live Album herausgebracht. „Silent Alarm-live“. Es wird uns wohl wehmütig daran erinnern, wie viel unbändige Kraft die Bloc Party am Anfang hatten, auch wenn sie mich live komischerweise nie restlos überzeugen konnten.
White Lies
Wenn diese Veröffentlichung „Five“ benannt wird, ist unschwer zu erraten wie viele Platten diese Band in der Zwischenzeit bereits produziert hat. Auch eine dieser ehemals intensiven Newcomer, die anfangs als „the nex big thing“ in Großbritannien gehandelt wurden und ebenso wie die Editors oder Interpol Altmeister wie Joy Division oder auch The Cure hoch- und wieder aufleben ließen. Talent kann man den Herren nicht absprechen, trotzdem blieb es nach dem sehr starken Debut nur mehr Stückwerk, das immer gerade noch genug Hoffnung übrig und sie auch immer wieder gerne hören ließ. Mal sehen, welches Niveau und Erfüllungsgrad sie beim 5. Anlauf erreichen.
Ian Brown
Der ehemalige Sänger der Stone Roses, dieser Kultband, die mit genau einer Platte zeitlose Britpop-Geschichte geschrieben hatten, ist gerade aufgrund dieser Tatsache auch stets interessant. In darauf zu reduzieren wäre wohl aber auch nicht fair, hat er selber doch schon das eine oder andere sehr gute Stück abgeliefert. Ob er nach wie vor hohe musikalische Relevanz genießen kann, wird sich erst herausstellen.
Kaiser Chiefs
Es scheint das Jahr der Britpop-Renaissance zu sein, wenn selbst diese Gruppe aus der Versenkung heraus  eine neue Platte ankündigt. Nach grandiosem Start mit rauhem, flotten, ungehobeltem, aber dennoch sehr melodischem Britrock, der zunehmend in den angepassten radiotauglichen Pop metamorphorisiert ist (ich erinnere nur an „Ruby“), hat man lange nichts von ihnen gehört. Hier ist die Erwartungshaltung bewusst niedrig angesetzt. Würde mich wundern, wenn das noch funktioniert.
Sigur Ros
Das ist immer eine Freude und üblicherweise eine Bank. Die verträumten Isländer mit der so speziellen Musik und atmosphärischen Stimmung. Da ist bestimmt wieder etwas dabei das begeistert, berührt oder mitreißt. Hier stellt sich die Frage, ob sie dem eher flotteren Stil zuletzt fortführen oder sich auf ihre elegisch verträumten früheren Kunstwerke besinnen. Könnte ich mir etwas wünschen, wäre es genau eine Mischung aus beidem. Weil sie beides auch wirklich richtig gut können. Macht mich doch sehr erwartungsfroh.
The Libertines
Und wenn ich schon wieder so viel von Britpop und -Rock rede (schreibe) und in schöner Nostalgie schwelge, dann dürfen die Herren Doherty und Barat keineswegs fehlen. Sie waren die eigentlichen großen Retter der britischen Popmusik und hoch veranlagt, was sie nach grenzgenialem Start, aufgrund des ausschweifenden Lebensstils von Pete Doherty leider achtlos weggeworfen hatten. Nach zwischendurch mal mehr dann weniger durchaus guten Einzelprojekten mit einigen starken Nummern, hatten sie überraschenderweise vor einiger Zeit wieder zusammen gefunden und gleich ein sehr ordentliches Album produziert. Jetzt steht der schwierige Nachfolger an. Dass sie es können, haben sie oft bewiesen und es wäre fein, würde ihnen das auch weiterhin gelingen. Die Libertines haben einfach das gewisse „Etwas“, das sie auch von vielen anderen Gruppen abhebt, so schwierig es mit ihnen und v.a. mit sich selber zu sein scheint.
So weit so gut. Das hört sich ja alles auch mal nicht so schlecht an fürs Erste. Da wird ja hoffentlich der eine oder andere Kracher dabei sein. Hoffe ich schwer.
Was hab ich sonst noch auf der Liste entdeckt? Die Ausnahmekünstlerin und auch stets „Wundertüte“ Amanda Palmer, oder die dunklen Britrocker Toy. Auch bekannte Altmeister wie die ebenso unverwüstlichen Weezer oder die Flaming Lips. Radiohead Sänger Thom Yorke hat sich auch in die Reihe eingetragen und da kann wie immer alles eintreffen, außer vermutlich, der so starke Anfangsstil seiner Band, den man leider schon lange nicht mehr von ihnen hört. Aber alleine schon die Stimme, Ausstrahlung und Aura dieses Mannes sind und bleiben beachtenswert.
Und zu guter Letzt scheint heuer ein kleines 80er-Revival stattzufinden. Nicht nur, dass diese Epoche nach wie vor ihre Spuren der Vergangenheit tief und unverwischt erhält, und auch immer wieder von aktuellen Künstlern dort Anleihen genommen werden, so sind auch extrem viele alte Institutionen aus dieser Zeit in der Vorschau auf 2019 zu finden.
Vom wunderbaren Joe Jackson, den ich schon lange aus den Augen verloren hatte und nicht wusste, dass er noch aktiv ist, ebenso wie den elegischen Mercury Rev. Bis hin zu den Alltime-Heroes und absoluten Ikonen dieser Zeit wie Madonna, Bruce Springsteen, Pearl Jam oder Tears for fears und ja, sogar den Boomtown Rats von Bob Geldof. Letztlich unerwarteter Weise auch noch abgerundet von der schmeichelndsten Stimme und smoothigste Stimmung erzeugenden Sade. Was daraus wohl wird? Bestimmt schwierig, denk ich mir.
Und noch eine Überraschung, die mich zweimal hinschauen lässt: Sleeper, die im Schatten einiger großen Bands in den frühen 90ern ihr gar nicht so schlechtes Unwesen trieben, aber in diesem Schatten auch relativ bald verblühten. Mit ihnen hätt ich am wenigsten gerechnet. Auch neugierig, was die noch zu sagen (singen und musizieren) haben.
Dass diese Auflistung nur einen kleinen Teil der so großen, weiten und wunderbaren Musikwelt abbildet, ist wohl selbstredend!
In diesem Sinne, auf ins neue Jahr mit viel guter Musik, positiven Überraschungen und interessanten Neu-Entdeckungen!

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